Max Steiner: "Ein Bobber muss fahren. Nicht nur stehen." — Interview, Bobber, Builder
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Max Steiner: "Ein Bobber muss fahren. Nicht nur stehen."

MotoDigital Redaktion
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Max Steiner hat 22 Bikes fertiggestellt. Keines sieht wie das andere aus. Aber alle tragen unverkennbar seine Handschrift: reduzierten Linien, handlackierte Tanks, eine Konsequenz im Weglassen, die man nur durch Erfahrung entwickelt. Wir haben ihn in seiner Münchner Werkstatt getroffen.

Max, 22 Builds — was hast du in dieser Zeit gelernt?

Dass weniger tatsächlich mehr ist. Mein erster Build war vollgepackt mit Ideen. Zu viele Ideen. Ein guter Bobber hat eine Aussage — eine, nicht zehn. Ich muss beim Kunden manchmal Dinge rausstreichen, die er sich wünscht, weil sie das Gesamtbild verwässern. Das ist kein angenehmes Gespräch. Aber das Ergebnis gibt mir meistens recht.

Du lackierst Tanks ausschließlich von Hand. Warum?

Weil eine Maschine nicht lügen kann. Ein handlackierter Tank hat Tiefe — das Licht verhält sich anders, es gibt minimale Unregelmäßigkeiten, die ihn lebendig machen. Karosserielacke aus der Spritzpistole sind perfekt. Und Perfektion ist langweilig. Ich will, dass ein Bike Spuren trägt — nicht von Verschleiß, sondern von menschlicher Arbeit.

Ein Bobber muss fahren. Nicht nur stehen. Wenn ein Kunde sagt, er will das Bike hauptsächlich ausstellen, arbeite ich mit ihm nicht zusammen.

Max Steiner

Was macht die BMW R-Serie zur perfekten Bobber-Basis?

Der Boxer-Motor gibt dir die Silhouette geschenkt. Dieses markante, breite Triebwerk — das ist nicht etwas, das du nachträglich erzählen musst. Es erzählt sich von allein. Dazu kommt die Zuverlässigkeit. Eine R80 oder R100 mit ordentlicher Revision läuft ohne Probleme. Das ist wichtig, denn ich will, dass die Bikes meiner Kunden täglich gefahren werden — nicht ins Wochenende getrailert.

Wie gehst du mit Kunden um, die sehr genaue Vorstellungen mitbringen?

Ich frage immer zuerst: Was wollt ihr mit dem Bike erleben, nicht was wollt ihr sehen? Die Antwort verändert alles. Jemand, der täglich zur Arbeit fahren will, braucht ein anderes Bike als jemand, der Sonntagstouren macht. Erst wenn ich das verstanden habe, fangen wir an zu skizzieren. Pinterest-Boards nehme ich zur Kenntnis. Aber sie bestimmen nicht meinen Entwurf.

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